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Qualifizierungen für ehrenamtlich Engagierte in der Arbeit mit Geflüchteten

Die Masterprüfungszentrale Culture Communication Skills® hat gemeinsam mit Experten der LMU München eine verkürzte Schulung für ehrenamtliche Helferinnen und Helfern in der Arbeit mit Geflüchteten entwickelt.

Die große Zahl flüchtender Menschen aus dem Vorderen und Mittleren Osten, die Deutschland seit August 2015 erreicht, hat zu einem beispiellosen ehrenamtlichen Einsatz von freiwilligen Helferinnen und Helfern geführt. Eine große Zahl von engagierten Bürgerinnen und Bürgern setzt sich – spontan, organisiert oder vereinzelt – für die Betreuung von Geflüchteten ein.

Im Verlauf der Betreuungsarbeit, ob bei der Erstaufnahme, in den Unterkünften, in der Begleitung bei Behördengängen, bei der Familienbetreuung oder im Sprachunterricht, werden Konflikte und kritische Situationen von Helferinnen und Helfern erlebt und formuliert. Der hohe Grad an unerwarteten Belastungen, oftmals durch fehlende Passung zwischen den individuellen Helfervorstellungen und dem realen Umgang mit „ihren Flüchtlingen“ belasten emotional stark und sind eine Herausforderung für die Helferinnen und Helfer.

Die ersten Überlegungen zu den Schwierigkeiten zwischen Ehrenamtlichen und Geflüchteten, brachten folgende Einsichten. Häufig ist den Helferinnen und Helfern wenig bis gar nichts über die Herkunftsregionen und die kulturellen Gewohnheiten der einzelnen Gruppen bekannt. Sie sind oftmals nicht auf dem Umgang mit kultureller Fremdheit vorbereitet. Es ist klar geworden, dass die Problematik der Flüchtlingsarbeit zum wesentlichen Teil interkultureller Natur ist und dass eine interkulturelle Vorbereitung für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer grundlegend für einen „gesunden“ Einsatz ist.

Mit diesem Programm bietet der Bayerische Volkshochschulverband e.V. eine solche Fortbildung an. Das Programm hat einen Umfang von 8 UE (1 UE = 45 Minuten). Da es sich häufig um eine erste Begegnung der Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit der interkulturellen Thematik handelt, ist sie niederschwellig konzipiert. Inhaltlich und methodisch orientiert sich die Fortbildung an den Basic- und Professional-Modulen der Culture Communication Skills® - Weiterbildung. Eine Leistungsprüfung für dieses Kurzprogramm ist nicht vorgesehen.


Themenüberblick

Das Programm enthält in Kurzform ausgewählte Themen aus der Culture Communication Skills® - Weiterbildung. Ein vollständiger Überblick über die Inhalte und Methoden findet sich in der anschließenden Agenda. Damit das Programm effektiver greift, muss der Unterricht möglichst genau auf die Zielgruppen zugeschnitten sein, z. B. Betreuerinnen und Betreuer von unbegleiteten Jugendlichen, von Familien, von Männern, von alleinstehenden Frauen, von Kindern usw. Dafür ist es wichtig, dass die Beispiele einen Bezug zu dem jeweiligen Lebensumfeld haben. So brauchen etwa Betreuer und Betreuerinnen von Schulkindern Beispiele für die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern (Stichwort „Augenkontakt“), von Familien – für die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern (Stichwörter „Familienzusammenhalt“, „Patriarchalität“). Viele Arbeitsanregungen und Übungen aus der Culture Communication Skills® - Weiterbildung können dafür umgearbeitet werden.

Das Programm beginnt mit dem Thema „Eigene Kultur“, das in Verzahnung mit dem Thema „Fremdheit“ bearbeitet wird. Es ist von größter Bedeutung, dass die Ehren-amtlichen sich schon zu Beginn ihre eigene soziokulturelle Prägung bewusst ma-chen. Sie müssen dabei erkennen, dass diese einen starken Einfluss darauf ausübt, welches Bild sie von den Geflüchteten und ihren Potenzialen haben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen auch darüber reflektieren, wie stark ihr eigener kultureller Hintergrund ihre Erwartungen an die von ihnen Betreuten, z.B. Dankbarkeit, Bescheidenheit, Opferhaltung, Zuverlässigkeit u.a. formiert.

In dem Abschnitt „Kommunikation“ wird eine Auswahl an nonverbalen Kommunikationselementen wie Blickkontakt, Handshake, Kopftuch usw. vorgestellt, die für häufige Missverständnisse zwischen Betreuern und Betreuten sorgen. Ähnliches gilt auch bei der Stereotypen-Einheit, in der die häufigsten Stereotypen wie „Macho-Männer“, „respektlos gegenüber Frauen“, „arm“, „undankbar“ „unzufrieden“ reflektiert werden.

Das Programm enthält kurze Überblicke über die kulturellen Dimensionen, die für die meisten Kommunikationsstörungen verantwortlich sind - Zeit, Raum, Machtdistanz, Individualismus / Kollektivismus.

Diese eintägige Schulung kann von Volkshochschulen bundesweit angeboten werden. Nähere Informationen erhalten Sie auch bei der Masterprüfungszentrale für das Lehrgangssystem.



Beatrix Andree, Trainerin (Beteiligt bei Konzeption des Lehrgangs), www.learning-works.de

Betarix Andree

Die Beschäftigung mit Interkultureller Kompetenz erweitert in starkem Maße unser Bewusstsein und daher auch unsere Handlungsoptionen im tagtäglichen Miteinander.


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